Nahrungsergänzungsmittel unterliegen in Deutschland nicht denselben Zulassungsanforderungen wie Arzneimittel. Sie dürfen verkauft werden, ohne dass ihre Wirksamkeit in klinischen Studien nachgewiesen wurde. Das bedeutet: Ein Produkt kann mit einem Wirkstoff werben, für den es kaum belastbare Daten gibt – solange es keine expliziten Heilversprechen macht.
Für Verbraucher ist das ein Problem. Denn ohne Zugang zu Fachliteratur und die Fähigkeit, Studiendesigns einzuordnen, ist kaum zu beurteilen, ob ein Produkt hält, was die Herstellerseite verspricht. Genau hier setzen wir an: Wir lesen, was die Wissenschaft tatsächlich sagt – und übersetzen es in verständliche, praxistaugliche Bewertungen.
Diese Seite erklärt unseren wissenschaftlichen Ansatz. Sie erfahren, welche Datenbanken wir nutzen, nach welchen Kriterien wir Studien bewerten und wie die Evidenzlage in unsere Produktbewertungen einfließt. Unser Ziel ist maximale Nachvollziehbarkeit: Sie sollen nicht nur wissen, was wir empfehlen – sondern auch, warum.
Die Datenbanken und Institutionen, auf die wir uns stützen
Unsere Bewertungen basieren nicht auf Herstellerangaben, Erfahrungsberichten oder Foreneinträgen. Wir greifen auf dieselben Quellen zurück, die auch in der klinischen Forschung und der behördlichen Risikobewertung zum Einsatz kommen.
PubMed / MEDLINE
PubMed ist die größte biomedizinische Literaturdatenbank der Welt, betrieben von der National Library of Medicine der USA. Sie umfasst über 36 Millionen Zitationen aus mehr als 5.000 Fachzeitschriften. Für unsere Arbeit ist PubMed die primäre Recherchedatenbank: Hier suchen wir nach klinischen Studien, Reviews und Meta-Analysen zu einzelnen Wirkstoffen.
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
Cochrane Library
Die Cochrane Library gilt als Goldstandard für systematische Übersichtsarbeiten in der Medizin. Cochrane-Reviews fassen den gesamten verfügbaren Forschungsstand zu einer Fragestellung zusammen und bewerten die Qualität der Einzelstudien. Wenn ein Cochrane-Review zu einem Wirkstoff vorliegt, ist er für uns die erste Anlaufstelle, weil er die höchste Verdichtung verfügbarer Evidenz bietet.
cochranelibrary.com
EFSA – Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
Die EFSA bewertet gesundheitsbezogene Aussagen (Health Claims) für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel in der EU. Nur Claims, die nach einer wissenschaftlichen Prüfung durch die EFSA zugelassen wurden, dürfen auf Produktverpackungen erscheinen. Für uns sind die EFSA-Gutachten ein wichtiger Maßstab: Wenn die EFSA einen Claim abgelehnt hat, ist das ein starkes Signal, dass die Evidenz nicht ausreicht.
efsa.europa.eu
BfR – Bundesinstitut für Risikobewertung
Das BfR ist die zentrale wissenschaftliche Einrichtung des Bundes für Fragen der Lebensmittelsicherheit. Es veröffentlicht regelmäßig Stellungnahmen zu Höchstmengen und Risiken einzelner Inhaltsstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Wir nutzen die BfR-Bewertungen insbesondere, um Dosierungen und potenzielle Risiken einzelner Wirkstoffe einzuordnen.
bfr.bund.de
Examine.com
Examine ist eine unabhängige, nicht-industriefinanzierte Plattform, die wissenschaftliche Studien zu Supplementen und Ernährung aufbereitet. Die Datenbank bietet für Hunderte von Wirkstoffen eine strukturierte Übersicht über die verfügbare Evidenz. Wir nutzen Examine als Ergänzung zu unserer eigenen PubMed-Recherche und als Plausibilitätsprüfung.
examine.com
Von der Einzelstudie zur Gesamtbewertung
Nicht jede Studie hat den gleichen Aussagewert. Eine Zellkulturstudie im Labor ist wissenschaftlich interessant, sagt aber wenig darüber aus, ob ein Wirkstoff beim Menschen funktioniert. Ein doppelblinder, placebokontrollierter Versuch mit mehreren Hundert Teilnehmern hingegen liefert deutlich belastbarere Ergebnisse. Um diese Unterschiede transparent zu machen, arbeiten wir mit der sogenannten Evidenzpyramide.
Die Evidenzpyramide
Die Evidenzpyramide ordnet verschiedene Studientypen nach ihrer Aussagekraft – von der schwächsten Evidenz an der Basis bis zur stärksten an der Spitze:
| Stufe | Studientyp | Aussagekraft |
|---|---|---|
| 5 | Meta-Analysen | Höchste Evidenzstufe. Fassen mehrere Studien statistisch zusammen und liefern die verlässlichsten Ergebnisse. |
| 4 | Systematische Reviews | Umfassende Übersichtsarbeiten, die alle verfügbaren Studien zu einer Fragestellung kritisch bewerten. |
| 3 | RCTs (randomisierte kontrollierte Studien) | Goldstandard der Einzelstudie. Teilnehmer werden zufällig in Verum- und Placebogruppe eingeteilt. |
| 2 | Beobachtungsstudien | Zeigen Zusammenhänge, können aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen. |
| 1 | Fallberichte / In-vitro | Einzelfälle oder Laborversuche. Wissenschaftlich interessant, aber für Verbraucherempfehlungen nicht ausreichend. |
In unseren Artikeln geben wir bei jedem zitierten Wirkstoff an, auf welcher Evidenzstufe die wichtigsten Studien angesiedelt sind. So können Sie selbst einschätzen, wie belastbar eine Aussage ist.
Unser Bewertungsraster für Einzelstudien
Wenn wir eine Studie in unsere Bewertung einbeziehen, prüfen wir sie anhand von fünf Kriterien:
- Studiendesign: Handelt es sich um ein RCT, eine Beobachtungsstudie oder eine andere Form? Ist die Studie doppelblind und placebokontrolliert?
- Stichprobengröße: Wie viele Teilnehmer wurden eingeschlossen? Studien mit weniger als 30 Teilnehmern haben eine begrenzte Aussagekraft.
- Studiendauer: Wurden die Effekte über einen ausreichend langen Zeitraum gemessen? Bei Gewichtsmanagement-Studien sind Ergebnisse unter 8 Wochen selten aussagekräftig.
- Bias-Risiko: Gibt es Interessenkonflikte? Wurde die Studie vom Hersteller des getesteten Produkts finanziert? Wir nutzen das Cochrane Risk-of-Bias-Tool zur Einschätzung.
- Reproduzierbarkeit: Wurden die Ergebnisse in unabhängigen Studien bestätigt oder handelt es sich um einen Einzelbefund?
Studien, die in mehreren dieser Kriterien schlecht abschneiden, fließen nicht in unsere Gesamtbewertung ein. Wir benennen sie ggf. als methodisch schwache Datenpunkte, um ein vollständiges Bild zu geben.
Transparenz: Alle Quellen nachprüfbar
Am Ende jedes Produkttests und Ratgeberartikels finden Sie ein vollständiges Quellenverzeichnis. Jede Studie ist mit ihrem DOI-Link (Digital Object Identifier) aufgeführt – ein eindeutiger, permanenter Link zum Volltext oder Abstract der Studie. So können Sie jede unserer Aussagen eigenständig überprüfen.
Wichtige Wirkstoffe und ihre Studienlage – ein erster Überblick
Die folgende Übersicht gibt einen Einblick in die Evidenzlage ausgewählter Wirkstoffe, die im NEM-Bereich eine zentrale Rolle spielen. Jeder Wirkstoff wird in unseren künftigen Ratgeber- und Testartikeln ausführlich behandelt.
| Wirkstoff | Evidenzstufe | Kurzbewertung der Studienlage |
|---|---|---|
| Glucomannan | ★★★★ | EFSA-zugelassener Health Claim für Gewichtsverlust im Rahmen einer kalorienreduzierten Ernährung. Mehrere RCTs mit positiven Ergebnissen. Dosierung entscheidend: 3×1 g vor den Mahlzeiten. |
| Vitamin D3 | ★★★★★ | Einer der am besten erforschten NEM-Wirkstoffe. Breite Evidenz für Knochengesundheit und Immunfunktion. Optimale Dosierung weiterhin wissenschaftlich diskutiert. |
| Omega-3-Fettsäuren | ★★★★★ | Starke Evidenz für kardiovaskuläre Vorteile (EPA/DHA). Cochrane-Reviews verfügbar. Qualitätsunterschiede zwischen Produkten erheblich. |
| Probiotika | ★★★ | Wirkung hochgradig stammspezifisch. Allgemeine Claims wie „verbessert die Darmgesundheit“ sind wissenschaftlich nicht haltbar. Einzelne Stämme gut belegt. |
| Kreatin-Monohydrat | ★★★★★ | Einer der best-erforschten Wirkstoffe überhaupt. Starke Evidenz für Kraftsteigerung und kognitive Leistung. Sicherheitsprofil exzellent. |
| Koffein | ★★★★ | Gut belegte Wirkung auf Ausdauerleistung und Thermogenese. Evidenz für moderate Unterstützung beim Gewichtsmanagement. Individuelle Verträglichkeit beachten. |
Legende: ★ = geringe Evidenz | ★★★ = moderate Evidenz | ★★★★★ = starke, breit abgesicherte Evidenz
Ausführliche Wirkstoff-Ratgeber mit vollständigem Studienverzeichnis befinden sich derzeit in Vorbereitung und werden in Kürze auf diesem Portal veröffentlicht.
Verfasst von: Dr. Katharina Bergfeld
Chefredakteurin | Promotion in Ernährungswissenschaften | 15 Jahre klinische Erfahrung
Zuletzt überprüft: April 2026
Wichtiger Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel. Die auf dieser Seite dargestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wir geben keine Heilversprechen ab. Alle Informationen basieren auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Literatur und werden regelmäßig überprüft. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln konsultieren Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker.
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